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Von Palenque nach Frontera Corozal – eine Busreise (2)

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Palenque: Zwei Männer sorgen für die nötige Sicherheit (Handyfoto)

Palenque, der Ort, in dem der Held von Max Frischs Roman „Homo Faber“ festgesessen hat, entpuppte sich als eine quirlige Touristenstadt und als regionales Einkaufszentrum mit einem großen, modernen Supermarkt und vielen hundert Geschäften, in denen man mexikanische Einkaufs- und Lebensart studieren kann.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Eigentlich schade, dass wir den Ort schon bald wieder verlassen mussten, denn wir hatten ein Hotel gebucht, das 1 Kilometer außerhalb am Rande des Regenwaldes liegt und verheißungsvoll „Cabañas Safari“ heißt.

Nach kurzer Taxifahrt standen wir vor den Safari-Hütten: Eine Anfang Dezember recht verschlafen wirkende Anlage mit mehreren Ferienhütten unter großen Bäumen und Palmen. Und hätte man nicht durch die Bäume hindurch eine große Wiese sehen können, hätte man denken können, man befinde sich mitten im Urwald. Unsere Cabaña war sehr originell bemalt und eingerichtet, die Fenster mit Fliegendraht gegen Moskitos geschützt. Nicht schlecht, aber leider war die hohe Luftfeuchtigkeit überall eingezogen, so dass es recht muffig roch.

Zwei Sachen mussten wir noch erledigen: Tickets für die Weiterfahrt nach Guatemala buchen und für die Fahrt eine Tüte mit Lebensmitteln kaufen. Wir gingen also zu Fuß zurück nach Palenque, eine nicht unbedingt empfehlenswerte Wanderung erst an der Landstrasse entlang, dann am Rande der lärmigen Hauptstrasse, und suchten einen „Tour-Operator“. Dann in Palenque endet das Reich der bequemen ADO-Busse. Weiter in den Süden fahren nur lokale Busse, die an jeder Ecke halten, oder eben die Busse lokaler Reisegesellschaften, die Pakete für Touris wie uns anbieten.  Nach Guatemala rüber will von hier aus eigentlich niemand, nur für die Touristen, die sich die Maya-Ruinen in Palenque angesehen haben und anschließend noch die Maya-Ruinen in Tikal abklappern wollen, werden Busreisen organisiert. Viele sind das nicht, ein Bus täglich reicht völlig. 8 Stunden inclusive Grenzabfertigung sagt der Mann im Reisebüro. Und wenn wir direkt morgen fahren wollen, könnte er uns einen Sonderpreis machen. Sonderpreis, klar, jeder bekommt einen Sonderpreis, das ist hier so, aber was mich viel mehr stört, ist, dass der einzige Bus täglich morgens um 6:00 Uhr losfährt.  Punkt 6:00 sollten wir vor dem Hotel stehen, wir würden abgeholt. Wenigstens das, denke ich, ärgere mich aber trotzdem, dass wir das Hotelfrühstück sausen lassen und uns um 5:00 Uhr unter die kalte Dusche stellen müssen, denn warmes Wasser, das habe ich vergessen zu erwähnen, kommt in den Safari-Hütten nicht aus der Leitung.

Palenque Ruinen (Foto: Wikipedia)

Palenque Ruinen (Foto: Wikipedia)

 Wie, ihr wart in Palenque und habt euch nicht die weltberühmten Maya-Ruinen angesehen, nicht die Wasserfälle von Aqua Azul oder Misol Ha besichtigt? Das ist doch, als ob Du in Köln warst und einen Bogen um den Dom und den Rhein gemacht hast! Mag schon sein, aber wir hatten hatte keinen Nerv, uns noch einmal so eine organisierte Ruinen-Besichtigungs-Tour anzutun. Ein paar Maya-Ruinen kennen wir schon, und obwohl diese Tempel und Pyramiden vielleicht auch alle irgendwie etwas anders aussehen, so ist der Rummel drum herum doch immer der gleiche. Nein, wir wollten nach Guatemala und waren gespannt auf die Fahrt durch die Berge und den Grenzübergang. Die Ruinen von Palenque kann man sich übrigens ganz bequem mit Google Street View anschauen.

Der Bus kam pünktlich um 6:15 Uhr, es dämmerte schon. Unter Bus stellt man sich allerdings etwas anderes vor. Es handelte sich um einen Van amerikanischer Bauart mit 8 Sitzplätzen. Das Gepäck kam aufs Dach. Kein schlechtes Fahrzeug, recht bequem, ordentlich gefedert, zwei Sitzplätze blieben frei. Die Strasse Nr. 307 führt in südöstlicher Richtung immer an der Landesgrenze zu Guatemala entlang, es gibt nur einen einzigen Grenzübergang. Wozu sollte es auch mehr Übergänge geben? Denn auf der anderen Seite befinden sich riesige, fast unbewohnte Regenwaldgebiete; die einzigen, die diese Grenze überschreiten wollen, sind Leute, die aus irgendeinem Grund illegal nach Mexiko wollen, Drogenschmuggler oder Touristen wie wir.

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Eine gute Strasse, der Fahrer fährt anständig, leider ist längere Zeit nicht viel zu sehen, da sich der Regenwald in Frühnebel hüllt. Und schon hält der Bus an einer Ansammlung von Häusern: Frühstückspause. Vor einer Art Café-Restaurant – tatsächlich eine selbstgezimmerte Holzkonstruktion mit Dach – stehen schon Touristen-Kleinbusse aus Palenque, die zu irgendwelchen anderen Maya-Ruinen oder Natur-Reservaten streben. Wir fragen uns, ob dieser Beköstigungsbetrieb wohl den Hygiene-Check bestehen würde und entscheiden uns für ein Frühstück aus unserer Picknick-Tüte direkt neben der Fernstrasse, die allerdings nicht viel befahren ist. Der Ort trägt als Namen irgendein historisches Datum und ist in einem erbarmungswürdigen Zustand. Da sich die Frühstückspause hinzieht, haben wir Zeit, uns etwas umzusehen. Einfache Holzbauten ohne Fenster und mit Lehmfußboden, Hühner und Schweine laufen frei herum. Zumindest Strom gibt es hier am Rande der Strasse, aber Frischwasser? Aus dem Bach da unten? Kommt man von Norden, denkt man, ein Chiapas-Dorf wie dieses würde wohl den Tiefpunkt bilden. Auf der anderen Seite des Río Usumacinta, in Guatemala, sollten wir allerdings eines besseren belehrt werden.

Foto: R. MEcke

Der Nebel hatte sich verzogen, die Sonne ließ sich blicken, grüne Berge,  kleine Maisfelder, Weiden, Wald, sumpfige Niederungen. Eine schöne Landschaft, sehr ursprünglich. Man sieht, dass viele Wiesen und Maisfelder auf Flächen entstanden sind, die einmal Regenwald waren, manchmal scheint es, als ob das noch gar nicht so lange her wäre. Richtig kultiviert ist wenig, das kann man wunderschön naturnah finden, wenn man aber sieht, wie für nach europäischen Maßstäben unglaublich schlecht angebauten Mais immer wieder Stücke Regenwald abgeholzt oder abgebrannt werden, kann man sich nur an den Kopf greifen. Aus diesen Gedanken werde ich buchstäblich herausgerüttelt, denn der Bus hat die 307 verlassen und ist auf die schmale Strasse nach Frontera Corozal abgebogen, die mal wieder neu asphaltiert werden müsste. 10 km Holperfahrt, schon sind wir am Ortsrand von Frontera Corozal. Der Bus hält am Ortseingang, wo – wie in Lateinamerika weithin üblich – ein Orteingangs-Kontrollpunkt ist. Im Schatten des Hauses sitzt ein Mann und schläft. Von drinnen kommt ein zweiter, weckt ihn, worauf er zu unserem Bus kommt, um Geld zu kassieren. Ein Beitrag für das Bio-Reservat. Davon hatten wir nichts gehört, der Mann im Reisebüro hatte uns versichert, alle Gebühren seien im Preis inbegriffen. Wir protestierten, aber was sollten wir machen, ohne Geld keine Weiterfahrt. Er hielt uns ein Legitimationsschreiben unter die Nase und wir zahlten widerwillig. Nicht viel, wir ärgerten uns, weil wir das Gefühl nicht los wurden, irgendwie abgezockt worden zu sein.

Busstation in Frontera Corozal

Die wahre Geschichte vom wilden Krokodil

Roswitha hat in ihrem „Photolaboratorium“ ein Photo von einem Krokodil veröffentlicht. Hier die wahre Geschichte dazu:

Am Rande des Geländes, auf dem sich die Maya-Pyramiden von Tikal befinden, direkt hinter dem Visitor-Center, einem niedrigen großen Bau mit interessanter moderner Architektur, den sich niemand ansieht, weil alle scharf auf die Pyramiden sind, erstreckt sich ein sumpfiges Gelände. Darin ein kleiner, idyllischer See, ringsum Schilf, dahinter viele, viele Kilometer nichts als Urwald. Dieser Wald ist nach dem Amazonas-Wald der größte auf dem amerikanischen Kontinent und das Gebiet um Tikal – etwa so groß wie der Bodensee – steht als Nationalpark unter besonderem Schutz.

seechenAm Ufer des Teichs warnen einige Schilder vor Krododilen. Zu sehen ist nichts, nur zwei Tauben fliegen vorbei. See, Sumpf und Wald ruhen in der Mittagssonne. 32 Grad im Schatten, am Morgen hat es noch geregnet, die Blätter sind nass und grün. Ein Treibhaus: Man glaubt zu sehen, wie es wächst und sprießt.

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Ich gehe zu einer der Buden, die sich zwischen Sumpf und Visitor-Center breit gemacht, sich teilweise schon Platz in der Vorhalle des Besucherzentrums erobert haben. Die üblichen Buden mit den üblichen Andenken, nachgemachten Maya-Masken, Pyramiden als Schlüsselanhänger, T-Shirts vom Maya-Weltende 2012. Ich bin der einzige Kunde. Pyramidenbesteigen ist bei dem Klima recht anstrengend, deshalb kaufe ich mir ein Seven-Up. Ich frage den Verkäufer, ob man manchmal tatsächlich ein Krokodil sehen könnte. Klar, sagt er, spring einfach ins Wasser, dann kommt ein Krokodil. Er und seine Budennachbarn finden das sehr witzig.

Mit meinem Seven-Up – das Zuckerwasser tut sehr gut in der Hitze – schlendere ich was herum, schaue mir die anderen Buden an. Ein junger Budenbesitzer, dessen Frau gerade ihr Baby stillt, will mir einen kleinen Jaguar aus poliertem Tropenholz verkaufen. Ob es hier wirklich Krokodile gebe, frage ich. Klar, komm, sagt er. Er geht mit mir hinter seine Bude, kaum fünf Meter, bis zu der Stelle, wo das Warnschild steht, und hält mich am Arm fest. Stopp, da liegt es, sagt er. Wo? frage ich und schaue angestrengt ins Schilf. Na da, sagt er und deutet auf eine Stelle einen Meter vor mir. Hoppla, da liegt es wirklich. Dreiviertel im Wasser, den Kopf in der Sonne, unbeweglich, nur die Augen zeigen, dass es sich nicht um eine Attrappe handelt. Ein ausgewachsenes, lebendiges Krokodil, nur ein paar Meter von den Buden entfernt, zwischen denen die Kleinkinder der Budenbesitzer herumlaufen.

Scheint zahm zu sein, dieses Krokodil, denke ich, wäre ja sonst viel zu gefährlich für die Kinder. Aber gibt es das überhaupt, ein zahmes Krokodil?

 

 

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Bankgeschäfte in Guatemala

floresstegEin Blick auf den Lago Petén Itzá. Der Steg, an dem die „Lanchas“ genannten Boote festmachen, ist wegen des hohen Wasserstandes etwas unter Wasser. Wenn man an dem Steg anlegt, kommt man sofort in die „Mundo Maya“, ein modernes Shopping-Center. Ein paar Meter weiter, vor dem Shopping-Center, folgende Szene:

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Was ist das? Ein bewaffneter Mann einer privaten Sicherheitsfirma, Menschen stehen Schlange vor einem Bus. Ein Bus der „Banco Rural'“ – der Landwirtschaftbank. Dass ein Bewaffneter vor jeder Bankfiliale steht, daran gewöhnt man sich in Mittelamerika schnell. Auch Apotheken müssen sich in der Regel einen Wächter mit Gewehr leisten, das Shopping-Center selbst ist auch Tag und Nacht bewacht.

Aber wieso dieser Bank-Bus? Gibt es in diesem Land nicht genug Bank-Filialen? Doch, jede Menge, auch die internationalen wie HSBC sind vertreten. Das Problem allerdings: In Mittelamerika kann man nicht einfach von einer Bank auf die andere überweisen. Bankgeschäfte gehen also so: Um die Stromrechnung zu bezahlen, gehe ich zur ersten Bank, stelle mich in die Schlange und fülle ein Formular aus. Für die Handy-Rechnung fahre ich dann zur zweiten Bank, wenn ich Glück habe, liegt die dritte Bank, auf der ich meine Miete einzahlen muss, auf dem Weg. Leute mit Geld schicken ihren Fahrer, der hat dann den Vormittag mit Schlangestehen bei verschiedenen Banken zu tun.

Die Männer hier haben ein besonderes Problem:  Jedes Jahr zu einem bestimmten Termin muss jeder Führerscheininhaber seinen Lizenz erneuern lassen, ein bürokratischer Akt, der selbstverständlich eine Gebühr kostet, die man bei der Banco Rural einzahlen muss. Deshalb hat die Bank diesen Bus dort geparkt, aber trotzdem haben sich in der Woche, in der ich das beobachten konnte, immer wieder lange Schlangen gebildet. Ein Mann, der als Fahrer für eine Firma tätig ist, hat mir erzählt, er habe 8 Stunden da gestanden.

Warum es keine Bank-zu-Bank-Überweisungen gibt? Keine Ahnung. Ich frage mich nur, wie man unter diesen Umständen einen Laden führen kann. Wahrscheinlich bezahlt man alle Lieferanten bar oder hat einen Angestellten, der seine Zeit damit verbringt, sich bei den verschiedenen Banken in die Schlange zu stellen.