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Zimmerreise XXIII zum Buchstaben „V“: Eine Vase mit Blumen

Eine kleine Vase, etwas mehr als 14 Zentimeter hoch, Goldrand oben, Goldrand unten, Blumenmotive. Stammt aus dem Nachlass meiner Mutter. Es handelt sich um die einzige derartige Vase, die ich mitgenommen habe. Irgendwie fand ich dieses Blumen-und-Goldrand-Porzellan kitschig, das Getue um die Sammelstücke, die in einem Vitrinenschrank standen, ziemlich affig.

Aber das ist doch Meißener Porzellan, handgemalt, pflegte meine Mutter zu sagen, womit für die die Diskussion beendet war. Und handgemalt sind diese Vasen immer noch, seit der Biedermeier-Zeit (anderswo steht seit 1745) werden die gleichen Rosen auf die gleichen Vasen gepinselt. Keine Ahnung, wie lange eine Porzellan-Malfachkraft braucht, um eine Vase fertig zu stellen. Kriegt man so was mit Übung und Geschick unter einer Stunde hin?

Der Aufwand an Handarbeit erklärt dann auch die Preise. Diese Vase gibt es aktuell nicht mehr, eine etwas größere aus der Serie „Meißener Rose“ kostet 389 Euro, eine Teetasse mit Untertasse 399 Euro.

Wie gesagt: Damals wollte ich die Vase gar nicht haben. Das hat sich geändert. Jetzt behalte ich sie, auch aus einem gewissen Trotz heraus. Blumen-und-Goldrand-Porzellan zu haben ist in Zeiten von „Hauptsache spülmaschinenfest und schlicht (und billig)“ ja durchaus antizyklisch. Man sieht das auch an den Preisen. Bei Ebay werden solche Vasen in neuwertigem Zustand für 50-60 Euro gehandelt, Preistendenz fallend, was angesichts der Malarbeit und der Qualität geradezu ein Schnäppchen ist.