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Stein an Stein oder Holzhacken

Fertig. Endlich. Ich habe für einen Bekannten, der eigentlich Goldschmied ist, aber in letzter Zeit einige Mosaikarbeiten angefertigt hat, einen Katalog mit diesen Mosaikarbeiten erstellt. Im Mai werden die Sachen ausgestellt.

Der Auftraggeber ist zufrieden, alles paletti. Macht mir ja auch Spaß, dergleichen. Aber anstrengend ist es doch, konzentriert ein paar viele Stunden vor dem Bildschirm zu sitzen. Und immer im Kopf: Muss genau werden, muss gut werden, muss stimmen, muss passen. Spielerisch ist was anderes. Und, oh Schreck, wie wäre es, wenn ich nach der Mittagspause mit dem nächsten Auftrag anfangen müsste…

Drum freue ich mich, jetzt in den Garten gehen zu können. Zum Holzhacken. Das wärmt und entspannt ungemein.

Kreativer Diener

Als Nebenerwerbs-Hobby-Grafiker hat man es nicht leicht. Als Profi wahrscheinlich auch nicht, denn man ist Dienstleister und in dem Wort Dienstleister steckt nun mal das  Wort Diener.

Dabei fing mein neuester Job als Gestaltungs-Diener gut an. Postkarte entwerfen, ein Plakat, ein gedruckter Katalog incl. 20 Reproduktionen der ausgestellten Werke. Vergütung relativ gut, denn die Ausstellung würde ordentlich gesponsert.

Kaum hatte ich mich froh an Werk gemacht und die ersten Mosaiken reproduziert (was nicht einfach ist, denn je nach verwendetem Material hat man viele Spiegelungen im Bild), kam die Nachricht, der Hauptsponsor sei abgesprungen, es sei jetzt leider nicht so viel Geld für mich da. Nun gut, unsereins lebt ja glücklicherweise nicht von solchen Aufträgen.

Plakat und Einladungskarte war bald fertig, die Auftraggeber wollten den Druck selbst bei der Druckerei in Auftrag geben. Prima, dachte ich, Arbeit gespart. Das war ein Fehler. Denn ich hatte – Anfängerfehler, zugegeben – vergessen, die knallrote Schrift in CMYK umzuwandeln. Das wollten die Auftraggeber schnell selbst korrigieren, haben die vorliegende PDF-Datei in CorelDraw geöffnet. Ihr CorelDraw fand aber die von mir verwendete Schrift, nämlich eine schöne fette Futura nicht und ersetzte die Futura durch eine viel dünnere Arial. Das reine RGB-Rot lässt sich nicht in CMYK darstellen, klar, aber die Auftraggeber ersetzten es durch ein Orange – kurzum, als ich die fertigen Einladungskarten und Plakate gesehen habe, war ich leicht schockiert ….

In den Katalog musste Statements der beteiligten Künstler hinein. Als Dienstleister muss man natürlich genau den Text reinsetzen, den die Künstler verfasst haben, auch wenn man den Text für ziemlich daneben hält. Die Werke kann man leider auch nicht zurück schicken mit dem Vermerk: „Bitte hier und da noch mal überarbeiten …“ Beim Druck ich darauf bestanden, dass die Auftraggeber nichts ohne Rückfrage ändern. Gut, sie bestanden nur darauf, von der Druckerei einen kostenpflichtigen „Profi-Daten-Check“ durchführen zu lassen. Ein ziemlicher Schmarrn, wie ich jetzt weiß, denn die Daten werden offenbar nicht von einem Menschen kontrolliert, sondern von einem Programm, dass alles, was ihm seltsam vorkommt, als Fehler markiert und dazu einen Standard-Text ausspuckt, aus dem mir bei drei „Fehlern“ nicht klar wurde, was überhaupt gemeint war, so war z. B. der Buchblock angeblich um 2 Hundertstel Millimeter zu dick und die Umschlaginnenseiten – ja darf denn so was sein? – tatsächlich weiß.

Mehrere Telefonate mit der Druckerei später war klar, dass alles doch so in den Druck gehen konnte ….

Echte Handarbeit!

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Eine, wie mir scheint, bemerkenswerte Verirrung des Zeitgeistes: Eine große Firma gestaltet die Konzernzentrale neu. Auf der Etage, zu der nur die „Chefs“ Zutritt haben, gibt es eine Dachterrasse mit einem Dachgarten, dazu gehört ein Wasserbecken, kein kleines Teichlein, sondern ein anständiges Wasserbecken. Dieses Wasserbecken, so die Architekten, soll mit einem Mosaik ausgekleidet werden, 29 m2 Mosaik. Was Feines soll es sein, schließlich ist es für die Chefetage. Ein Mosaik also echtem Muranoglas. Gut, habe ich kein Problem mit. Die Architekten freuen sich, die Chefs freuen sich, der Hersteller der Glassteine freut sich, der Künstler, der den Auftrag bekommen hat, freut sich.  Sollen sie doch machen.

Was mir zu denken gibt, ist etwas anderes. Die Architekten und Auftraggeber wollen was Besonderes, Künstlerisches. Da kommt nur Handarbeit in Frage. Nun liefert die italienische Firma die Glassteine fertig aufgezogen auf Matten, die bräuchten nur noch aufgeklebt und verfugt werden – fertig ist das Mosaik-Becken. Aber es soll doch nach Handarbeit aussehen, echte Handarbeit ist gefragt!

Also löst der Künstler in einem ersten Schritt die Glassteine von den Matten, auf die sie aufgezogen sind, indem er alles eine Weile einweichen lässt, die Matten entfernt und dann die Steine gründlich wäscht. 29 m2, das sind 58.000 Steine. Dann werden alle Steine mit einem speziellen Glasschneider durchgeschnitten, die Hälfte der durchgeschnittenen dann noch einmal durchgeschnitten. Wir haben also jetzt nach 116.000 Schnittvorgängen 174.000 Steine, die alle, da mit der Hand geschnitten, schön unregelmäßig aussehen. Es gibt beim Hersteller zwar auch kleine Steine in der richtigen Größe, aber das wäre ja keine Handarbeit.

Dann werden die Steine wieder auf Matten geklebt, leicht unregelmäßig, wegen der Handarbeit, klar, und dann die Matten aufgeklebt und verfugt. Fertig.

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Warum man heutzutage Handarbeit solch einen großen Wert einräumt, kann der historisch gebildete Psychologe wahrscheinlich prima erklären. Nostalgie, eine heutzutage epidemisch werdendes Krankheitsbild, das einen sogar bis in die Bäckerei verfolgt, wenn dort die Brötchen als „handgeformt“ angepriesen werden. Da fällt mir eine Marktlücke ein: Brot aus handgesätem und mit der Sichel handgeerntetem Getreide, ohne Einsatz von Maschinen mit dem Dreschflegel handgedroschen und dann in der Windmühle gemahlen. Öko-Umwelt-CO2-mäßig das Non-Plus-Ultra, alles echte Handarbeit.