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Heckenschneiden im Einklang

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Als wir unseren Garten vor gut 2 Jahren übernommen haben und ich gegenüber der Vorbesitzerin erwähnte, man müsse aber die üppigen Hecken kräftig beschneiden, da mahnte sie mich: Aber nicht jetzt! Ist verboten! Erst im Spätherbst!

Verboten? Tatsächlich, das Schneiden von Hecken ist im  §39, BNatSchG gesetzlich geregelt. Hielt ich für überspannt. als ich dann im Winter an die Hekcen gegeben habe, habe ich mich gewundert, wie viele Vogelnester ich in den Hecken gefunden habe, die aus zwei verschiedenen Buchenarten bestehen, eingesprengt gar nicht so wenig Schneebeere, etwas Flieder und eine wilde Kirsche.

Diese Woche habe ich die Hecke zum zweiten Mal eingekürzt, wieder Nester zerstören müssen, eins davon, siehe Foto, in einem Stück Wildrose, die ich radikal verkleinern musste, weil sie im Grunde schon auf Nachbars Grundstück wächst.

Wer eine Hecke anlegt und pflegt, ging mir bei der Arbeit durch den Kopf, schafft zwar einerseits einen Lebensraum für Tiere, andererseits zerstört er ihn auch immer wieder. Eine natürliche Hecke, die so wächst und gedeiht, wie die Natur es will, gibt es nicht; lässt man alles wuchern, entsteht ein Wald. Früher oder später, denn selbst da, wo nur die Schneebeere wächst, die ja nicht hoch wird, haben sich mittendrin kleine Ahornbäumchen gebildet, außerdem schon recht kräftige wilde Pflaumenbäume. Habe ich alles abgezwackt: Falls ich den Klang der Natur richtig vernehme, gärtnere ich damit nicht im Einklang mit der Natur, sondern nur im Einklang damit, wie ich mir meine Hecke vorstelle.

Ackerrandstreifenprogramm

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Der Landwirt, der das Feld neben unserem Haus bewirtschaftet, nimmt ab diesem Jahr am „Ackerrandstreifenprogramm“ teil. Ein 3 Meter breiter Streifen ist, wie man sieht, mit allerlei Feldblumen bestellt.

Ist schön anzusehen, sicherlich auch fein für die Bienchen und Käferlein, während die Karnickel sich lieber im Getreide tummeln.

Nur denk ich mir manchmal: Was muss das für ein reiches und vor allem sattes Land sein, dessen Bürger dem Staat Geld geben, damit der Staat dem Bauern Geld gibt, damit der Bauer kein Getreide anbaut, sondern etwas, was aus der Sicht dessen, der Lebensmittel produziert, Unkraut ist.

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Damit verbunden ist übrigens eine gewaltige Bürokratie; denn was man wie säen und bewirtschaften muss, damit man die Förderung bekommt, ist in langen Papieren festgelegt. Und natürlich auch die Ausnahmen: Wenn nämlich sich durch den Nichteinsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln (auch mechanische Unkrautbekämpfung ist verboten) sogenannte Problemunkräuter wie das Klettenlaubkraut ausbreiten, dann dürfen nach Kontrolle und Begutachtung durch die zuständige Behörde doch Maßnahmen gegen das falsche Kraut ergriffen werden.

Etwas kommt mir komisch vor: Man sieht auf dem unteren Bild, dass neben dem offiziellen Ackerrandstreifen sich noch ein Randstreifen befindet, dann kommt ein Fußweg, dann der Lärmschutzwall, der bis zur Bahnlinie nochmals einen über 100 Meter breiten naturbelassenen „Ackerrandstreifen“ bildet, am Horizont sich nochmals erheblich verbreiternd und in das ökologisch angelegte „Kirchenwäldchen“ übergehend, das seinerseits in eine sogenannte Kompensationsfläche für den Autobahnbau übergeht. Naturbelassene Randflächen, mag man sich gedacht haben, kann es nie genug geben.