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Michel Houellebecq – Karte und Gebiet

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Dass ich neben all dem Umzugs- und Umbau- und Umräumstress mir die Zeit genommen habe, diesen Roman zu lesen, zeigt, dass mir dieses Buch tatsächlich zugesagt hat.

Der Künstler, der zu einem weltbekannten Großmeister und entsprechend einer wichtigen Gestalt im zeitgenössischen Kunstbetrieb aufsteigt, andererseits die Geschichte des Verhältnisses dieses Künstlers zu seinem todkranken Vater, endlich eine Kriminalgeschichte, die mit dem Mord an dem Schriftsteller Houellebecq beginnt. Tatsächlich hat der Autor mit dem für Deutsche unaussprechlichen Namen sich selbst als Figur in seinen Roman eingefügt und diese Figur, also quasi sich selbst, unglaublich grausam ermorden lassen. Aber nach vielleicht 10 ausgesprochen ekligen Seiten ist das vorbei und die Arbeit eines Polizisten steht im Vordergrund.

Das ist eher konventionell und/aber sehr gut geschrieben, voller intelligenter Beobachtungen und Seitenhiebe nicht nur auf den zeitgenössischen Kunstmarkt. Am Schluss deutet der Autor an, wie Mitteleuropa um 2050 aussehen wird. Wie, will ich nicht verraten, jedenfalls eine Vorwegnahme seines Romans „Unterwerfung“ (den ich nicht gelesen habe) ist es nicht.

Vargas Llosa – Das grüne Haus

Zwei Romane von Vargas Llosa habe ich in letzter Zeit gelesen, Tante Julia und der Kunstschreiber und Das Paradies ist anderswo. Beide haben mich beeindruckt. Warum es also nicht mit einem dritten versuchen, zumal er mir in einer Wühlkiste kostenlos über den Weg lief.

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Der Umschlag, so scheint mir, ist dem Graphiker bei Suhrkamp gut gelungen, setzt das Geschehen im Urwald Brasiliens aber in ein zu heiter-buntes Licht. Denn der Roman ist erstens düster, zweitens eklig und drittens schwer verständlich. Das erste Kapitel hätte ich, wenn ich nicht die Zusammenfassung in der Wikipedia gelesen hätte, immer noch nicht verstanden.

Und als ich so im Zug und auf dem Bahnhof las, dachte ich bei der Rückfahrt auf Seite 48: Warum tust du dir das eigentlich an? Einen ebenso schwer verständlichen wie schwer verdaulichen Text zu lesen, dessen Autor es offenbar darauf angelegt, den Leser zu verwirren und in die Irre zu führen? Warum hat der junge Vargas Llosa das gemacht? Weil er Anschluss gesucht hat an die europäische Moderne und diese Moderne mit verdrehtem Schreibstil und für den Leser unverständlichen Perspektivenwechseln gleich gesetzt hat? Später jedenfalls hat Vargas Llosa auf dergleichen verzichtet … … … und als ich am Bahnhof angelangt war, war ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich auf „Das grüne Haus“ verzichten kann, und habe das Buch, das wegen diverser Schönheitsmakel nicht verkäuflich war, in den Bahnhofspapierkorb entsorgt.

Im Café der verlorenen Jugend

Seitdem ich im „Cool Pains“-Blog schon öfters Ausschnitte aus Werken von Patrick Modiano gelesen habe, hatte ich mir vorgenommen, doch mal eins seiner Bücher zu lesen. Hat eine Weile gedauert, aber jetzt ist mir eins über den Weg gelaufen, und zwar in der Ferienwohnung. Die schöne gebundene Hanser-Ausgabe, nur halb gelesen, ein Lesezeichen steckte drin.

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Ich habe „Im Cafe der verlorenen Jugend“ bis zum Ende gelesen, getragen von der schönen Sprache, diesem fließenden Satzbau, der wahrscheinlich im französischen Original noch eleganter klingt.

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Eine Liebeserklärung an das Paris der 60er Jahre, schreibt der Verlag im Klappentext. Das hat mich ein wenig in die Irre geführt, denn liebenswert scheint mir das Leben der Jugendlichen, deren Hauptbeschäftigung das Herumhängen in Pariser Kneipen ist, keineswegs. Ich hätte dem Titel mehr glauben sollen als dem Klappentext: „Verlorene Jugend“ – dann wäre für mich das tragische Ende der Hauptfigur auch nicht überraschend gekommen.