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Solche und solche Küsse

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„Unerotische Sexgeschichten“ – ich vermute, die Marketing-Abteilung fast aller Verlage hätte diesen Untertitel zurück gewiesen. Dabei trifft er die Sache recht genau: In allen Geschichten, die in diesem Band versammelt sind, geht es um Sex – nicht prickelnd, nicht an- oder aufregend.

Gut, in den 50er Jahren hätte man das Büchlein sicherlich aus einer Bibliothek für höhere Töchter entfernt, aber das ist dann doch schon eine Weile her. Seitdem hat sich manches geändert – aber ob es nun die Schülergruppe ist, der junge Mann im Karneval, der Therapeut, der Religionslehrer, der Redakteur, der Partygänger, der Renter, die junge Frau oder der Arbeit suchende Autor: Allen Protagonisten dieser Geschichten ist gemeinsam, dass sie unverhofft mit einem Thema konfrontiert werden, von dem sie glauben, sie hätten es im Griff: Der Sexualität.
Auf die Illustrationen, die der Bloggerkollege Buchalov gezeichnet und die mir Jürgen Küster zur Verfügung gestellt hat, wofür ihm auch an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt sei, werde ich im nächsten Post eingehen.

…. als gedrucktes Buch für 4,90 € und als Ebook für 2,49 € (nicht nur) bei Amazon erhältlich. Auch ein „Blick ins Buch“ ist möglich.

Virtuose Eunuchen, lustige Bettler und dunkle Diebe

Nachzutragen bleiben noch einige Bücher, die ich unterwegs gelesen habe. Warum ich da so viel gelesen habe, wird später verraten. Jetzt erst mal 3 Titel vom Stapel „Gelesene Bücher“, denn ich führe ja hier in diesem Blog seit Jahren Buch über alles, was ich so gelesen habe.

91isQfrHF5L._SL1500_Von Gudrun Pausewang kenne ich nicht viel, nur ihren bemerkenswerten autobiographischen Bericht „Rosinkawiese“. Ihre bekannten Bestseller habe ich links liegen gelassen. Romane, die allüberall in Haupt- und Realschulen gelesen werden, haben es bei mir schwer, alte Schulallergie sozusagen.

„Plaza Fortuna“, ein Frühwerk der Autorin,  wird zwar ständig neu aufgelegt, ist aber viel weniger bekannt. Es spielt in einer fiktiven Stadt in Mittelamerika und Pausewang verarbeitet dort die Erfahrungen und Erlebnisse, die sie gehabt hat, als sie in Mittelamerika gelebt hat. Das merkt man. Vieles ist „aus dem Leben gegriffen“, man erfährt im Laufe der märchenhaften Geschichte um einen Bettler, der im Lotto gewinnt, eine ganze Menge über die Zustände in Latinoland. Die Figuren sind dafür allesamt fürchterlich klischeehaft, der Bettler fürchterlich arm und fürchterlich gut, der Polizeichef fürchterlich dick und reich und ebenso korrupt etc. etc. Außerdem ist mir schlagartig klar geworden, wieso Bücher von G. Pausewang so beliebt bei manchen Lehrern sind: Die sind direkt so geschrieben, dass man pro Kapitel eine Lektion lernt: 1. Leben in den Armutsvierteln  2. Die Prostitution  3. Mittelschicht  4. Korruption der Führungsschicht  5. Bettlerei – das ist alles fürchterlich didaktisch und fürchterlich durchschaubar.

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Von Lateinamerika nach Italien, in ein Italien, in dem vor etwa hundert Jahren noch uralte und keineswegs gute Traditionen sich erhalten hatten. Faschismus und Aberglaube, alte Mythen und ein anarchischer Volkszorn, der sich in einem sehr, sehr grausamen Mord entlädt. Eine dunkle Welt, packend erzählt, eine Welt, bei der man immer nur denkt: Ach wie gut, dass wir hundert Jahre weiter und 1500 Kilometer entfernt sind.

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Und nochmal Italien, nochmal Vergangenheit: 18. Jahrhundert. In diesem Roman, den ich gelesen habe, weil Marcel Reich-Ranicki ihn sehr gelobt hat, erscheint das vergangene Italien in einem goldenen Licht. Ach, was war das schön, all diese Feste, die prächtigen Opernaufführungen, mit der Kutsche von Party zu Party, von Rausch zu Rausch. Ist der Autorin wohl auch aufgefallen und sie hat vielleicht auch deswegen die Geschichte einer armen Dienstmagd eingefügt, eine Geschichte, die nur lose mit dem Hauptstrang zusammen hängt.

Zweifellos gut erzählt, aber warum soll ich das lesen? Was interessieren mich all die Liebesabenteuer und die lang ausgebreiteten Einzelheiten der Kunst des feinen Gesangs? Nicht sonderlich. Interessant aber für alle Menschen, die immer schon mal wissen wollten, wie Sex mit einem Eunuchen ist. Vielleicht wollte der Reich-Ranicki das auch immer mal wissen.