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Am Strand

In der Ferne lockt der Strand, der den schönen Namen Amió trägt. Ende September, letztes Saison-Wochenende: Ein paar Leute sind da, genießen die Sonne, baden im noch warmen Meer. Viel Platz, die einzige Bar – mehr eine Bude mit ein paar Stühlen davor, liegt ein Stück weit entfernt und hat im September schon geschlossen.

Ein ganz ruhiger Ferienort, von einer fast schon nostalgischen Ruhe. Direkt oberhalb des Strandes liegen die Kühe faul auf der fetten Wiese rum. Nach einem halbstündigen Spaziergang über Wiesen und durch ein Wäldchen mit knorrigen, immergrünen Kork-Eichen mit ihren stacheligen Blättern gelangt man über eine steile, rutschige Treppe an die Mündung des Flusses Tina Mayor, die Ría de Tina Mayor, die Grenze zwischen Kantabrien und Asturien.

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Unterschiedliche Sonnen

Ob das wirklich die gleiche Sonne ist? Die Sonne, die am Vortag so geschienen hat, dass am Strand meine Sonnenbrille zu schwach war? Die so heiß herunter gebrannt hat, dass wir mit unseren Rollenkoffern immer auf der Schattenseite zum Busbahnhof gegangen sind, um uns dann verschwitzt in einen Bus zu setzen, bei dem die Klimaanlage so gut gearbeitet hat, dass wir in unseren Sommer-Klamotten bald anfingen zu zittern? —– Das soll die gleiche Sonne sein wie die, die im rheinischen Garten aus blauem Himmel scheint und so wenig wärmt, dass ich trotz Winterjacke nur die in der Sonne liegenden Blätter zusammenreche?

Rasen gibt es auch in Mittelamerika, sogar heruntergefallene Blätter. Aber Nachbarn, die schon um halb Zehn am Morgen mit dem Rasenmäher herumlärmen, die gibt es nicht. Denn wer dort ein Haus mit Rasen hat, der hat etwas Geld. Und wer etwas Geld hat, der bestellt einen Muchacho oder mehrere, die erst penibel und langsam jedes Blatt entfernen, dann den Rasen mit der Machete mähen. Anschließend kehren sie noch die Wege und entsorgen dann alles: Die Blätter, den Rasenschnitt, den Müll, der auf der Strasse herumlag. Die Entsorgung ist ganz einfach: Man macht ein kleines Feuer am Straßenrand. Wenn ein paar Plastiktüten oder Flaschen rumgelegen haben, brennt es besonders gut.  Manche Gemeinden – das schreibe ich jetzt, damit sich niemand beschwert, ich hätte die Verhältnisse einseitig dargestellt – haben auch eine Müllabfuhr. Da wandert der Abfall dann in einen schwarzen Plastiksack. Die Säcke werden abgeholt, zum Müllplatz der Gemeinde gefahren und dort zu den anderen Müllsäcken geworfen. —- Ich werfe die Blätter natürlich in die braune Tonne, den Abfall, der auch hier auf dem Gehweg und im Vorgarten liegt, in die graue Tonne. Trotzdem riecht es nach Feuer. Muss der Nachbar sein, der Kaminofen zieht mal wieder schlecht. Aber Plastikflaschen – um auch das klarzustellen – verbrennt mein Nachbar nicht. Ich stopfe die Blätter in die Tonne, drücke und quetsche, damit noch mehr hineingehen. Und, siehe da, die Sonne wärmt doch.