Schlagwort-Archive: Taube

Raubtiere

IMG_0345

Da hat doch irgendein räuberisches Wesen – keine Ahnung, ob Raubvogel oder Raubtier – eine Taube, die wahrscheinlich aus einem nur 200 Meter entfernten Taubenschlag stammt, in unserem Garten zerrupft und außer den Federn nur eine Pfote nebst Ring übrig gelassen. – Unseren Hund, dem jeglicher Jagdinstinkt abgeht, hat die Sache gar nicht interessiert, nicht mal ordentlich beschnüffelt hat er die Überreste.

 

Vom Bett aus gesehen

vogel2Im Bett unter der warmen Decke liegend sehe ich, während ich auf den Sonnenaufgang warte, dass auf dem Nussbaum und der großen Fichte schon einiges los ist. Elstern hüpfen hyperaktiv rum und machen wie immer den Eindruck, als ob sie sich zanken würden. Meisen nähern sich den beschneiten Zweigen eher von unten und picken kurz, um es dann sofort an einer anderen Stelle zu probieren. Eine Taube setzt sich auf den Nussbaum, plustert sich auf und tut nichts. Ganz oben auf der Fichte haben sich die Stare niedergelassen, und weil es gesellige Vögel sind, ein ganzer Schwarm, so viele, dass sie Schwierigkeiten haben, für jedes Mitglied des Schwarms einen geeigneten Sitzplatz zu finden, denn Stare setzen sich nur auf die allerobersten Baumspitzen, auch wenn diese so dünn sind, dass sie unter dem geringen Gewicht solch eines Vogels schon schwanken. Pulvriger Schnee stäubt herab. Die Stare sitzen auch nur da und tun nichts, außer auf die Sonne zu warten. Genau so wie ich. Aber warum stehen die Vögel zu diesem Zweck so früh auf? Bei der Kälte könnten sie es doch so wie ich machen und im Nest bleiben.

Antike Turteltauben (5)

Statue der Aphrodite

Die Taube in der Antike: Da könnte man hunderte Belege ausbreiten, aber ob mesopotamisch, etruskisch, griechisch, römisch oder biblisch, ob Aphrodite, Persephone, Hera, Venus, Ishtar, Astarte oder im Hohen Lied der Bibel – immer wird die Taube dem Weiblichen zugeordnet und immer der Liebe.
Im Einzelfall wird es dann etwas differenzierter, je nachdem, ob der sexuelle, der erotische oder der geistige Aspekt der Liebe im Vordergrund steht. In der (fälschlich) dem Apollodor von Athen zugeschriebenen “Bibliotheke” – einem Standardwerk zu antiken Mythologie – heißt es: “Die Taube ist der Aphrodite heilig wegen ihrer Wollust. Es wird nämlich gesagt, dass sie am meisten Sex habe”. Andererseits wird auch schon in der Antike die treue Gattenliebe der Taube hervorgehoben.
All das ist nicht verwunderlich: Die Taube, das sieht jeder, turtelt gerne herum. Was liegt näher, als sie zum Liebessymbol zu machen oder – auch Brieftauben waren schon im alten Ägypten bekannt – zur Überbringerin einer Liebesbotschaft? Dazu passt ideal die weiße Farbe. Wie Klausbernd Vollmar in seinem (vergriffenen) Buch „Das Geheimnis der Farbe Weiß“ herausgearbeitet hat, hat das Weiß einen Doppelcharakter: zur Unschuld passt es genauso wie zur Verführung, zur vergeistigten Liebes-Taube genau so wie zum Symbol der Wollust und des weiblichen Begehrens.

Die Geschichte mit Noah und der Arche, aber auch das Hohe Lied der Bibel liegen also sozusagen voll im Trend:

“Meine Taube in den zerklüfteten Felsen, zeige mir deine Gestalt / Lass mich deine Stimme hören, denn deine Stimme ist süß und deine Gestalt ist lieblich.” (Hoheslied 2.14)

Und wie beginnt “Die Fledermaus” von Johann Strauss?

“Täubchen, das entflattert ist,
stille mein Verlangen.
Täubchen, das ich oft geküßt,
Laß dich wieder fangen!
Täubchen, holdes Täubchen mein,
komm, o komm geschwinde;
sehnsuchtsvoll gedenk ich dein,
holde Rosalinde!”