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Die wahre Geschichte vom wilden Krokodil

Roswitha hat in ihrem „Photolaboratorium“ ein Photo von einem Krokodil veröffentlicht. Hier die wahre Geschichte dazu:

Am Rande des Geländes, auf dem sich die Maya-Pyramiden von Tikal befinden, direkt hinter dem Visitor-Center, einem niedrigen großen Bau mit interessanter moderner Architektur, den sich niemand ansieht, weil alle scharf auf die Pyramiden sind, erstreckt sich ein sumpfiges Gelände. Darin ein kleiner, idyllischer See, ringsum Schilf, dahinter viele, viele Kilometer nichts als Urwald. Dieser Wald ist nach dem Amazonas-Wald der größte auf dem amerikanischen Kontinent und das Gebiet um Tikal – etwa so groß wie der Bodensee – steht als Nationalpark unter besonderem Schutz.

seechenAm Ufer des Teichs warnen einige Schilder vor Krododilen. Zu sehen ist nichts, nur zwei Tauben fliegen vorbei. See, Sumpf und Wald ruhen in der Mittagssonne. 32 Grad im Schatten, am Morgen hat es noch geregnet, die Blätter sind nass und grün. Ein Treibhaus: Man glaubt zu sehen, wie es wächst und sprießt.

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Ich gehe zu einer der Buden, die sich zwischen Sumpf und Visitor-Center breit gemacht, sich teilweise schon Platz in der Vorhalle des Besucherzentrums erobert haben. Die üblichen Buden mit den üblichen Andenken, nachgemachten Maya-Masken, Pyramiden als Schlüsselanhänger, T-Shirts vom Maya-Weltende 2012. Ich bin der einzige Kunde. Pyramidenbesteigen ist bei dem Klima recht anstrengend, deshalb kaufe ich mir ein Seven-Up. Ich frage den Verkäufer, ob man manchmal tatsächlich ein Krokodil sehen könnte. Klar, sagt er, spring einfach ins Wasser, dann kommt ein Krokodil. Er und seine Budennachbarn finden das sehr witzig.

Mit meinem Seven-Up – das Zuckerwasser tut sehr gut in der Hitze – schlendere ich was herum, schaue mir die anderen Buden an. Ein junger Budenbesitzer, dessen Frau gerade ihr Baby stillt, will mir einen kleinen Jaguar aus poliertem Tropenholz verkaufen. Ob es hier wirklich Krokodile gebe, frage ich. Klar, komm, sagt er. Er geht mit mir hinter seine Bude, kaum fünf Meter, bis zu der Stelle, wo das Warnschild steht, und hält mich am Arm fest. Stopp, da liegt es, sagt er. Wo? frage ich und schaue angestrengt ins Schilf. Na da, sagt er und deutet auf eine Stelle einen Meter vor mir. Hoppla, da liegt es wirklich. Dreiviertel im Wasser, den Kopf in der Sonne, unbeweglich, nur die Augen zeigen, dass es sich nicht um eine Attrappe handelt. Ein ausgewachsenes, lebendiges Krokodil, nur ein paar Meter von den Buden entfernt, zwischen denen die Kleinkinder der Budenbesitzer herumlaufen.

Scheint zahm zu sein, dieses Krokodil, denke ich, wäre ja sonst viel zu gefährlich für die Kinder. Aber gibt es das überhaupt, ein zahmes Krokodil?

 

 

croco

Weiße Tauben (4)

Die Taube als Symbolvogel, das haben wir in der letzten Folge dieser kleinen Serie festgestellt, die Taube als Symbolvogel ist weiß. Diese Einsicht ist nicht so trivial, wie sie sich anhört. Nehmen wir dieses Bild:

In diesem Mosaik aus dem 13. Jahrhundert hält Noah eine Taube in der Hand. Die Taube wird bald mit einem Ölzweig im Schnabel zurück kehren und Noah wird wissen, dass irgendwo Land in Sicht ist.  Auch diese Taube ist weiß. Zugegeben, ein wenig bräunlicher als Noahs Gewand, aber weit entfernt von den gräulichen Wesen, die normalerweise herumflattern. Gut, wird man sagen, er hat halt eine weiße Taube wiedergegeben. Der Witz ist allerdings, dass es vor 1500 in Europa gar keine weißen Tauben gegeben hat. Es gibt zwar viele, viele Taubenrassen, aber weiße Tauben gibt es nur in Indien (von wo sie nach 1600 nach Europa exportiert worden sind), und in Australien (z.B. die Ducula bicolor), die australischen Tauben  sind so groß wie ein Huhn, vor allem die Kaiserfruchttaube (Ducula Spilorrhoa).

Erst nach 1600 also ist die erste weiße Pfautaube , die zur Unterart der Stadttauben gehört,  in Europa herumgeflattert. Diese Art erfreut sich heute bei uns ziemlicher Beliebtheit. Denn weil die armen Vögel ein wenig wie ein Pfau aussehen und völlig weiß sind, werden sie speziell als Hochzeitstauben gezüchtet. Sieht ja auch so putzig aus, wenn die Tiere freigelassen werden und ein wenig herumflattern, so romantisch.

Wenn alle diesen romantischen Moment fotografiert haben, geht es ab in den Käfig bis zur nächsten Hochzeit. Manche Verleiher von Hochzeitstauben – wie z.B. dieser, der versichert,  seine Tauben würden vor ihrem Hochzeitseinsatz grundsätzlich frisch gebadet –  verwenden auch normale weiße Brieftauben. Was er  nicht verrät und was wahrscheinlich die Hochzeit- und Fotorafierwilligen auch nicht weiter interessiert, ist, dass man zwar normale Brieftauben so lange kreuzen und selektieren kann, bis sie weiß sind, dass diese Tiere dann aber ihr natürliches Orientierungsvermögen einbüßen: Weiße Brieftauben finden nicht mehr nach Hause. Schade.

Womit bewiesen wäre, dass Noahs Taube nicht weiß gewesen sein kann, obwohl auch Aegidius de Roya offensichtlich davon ausgegangen ist. Dieser Zisterzienser-Mönch hat nämlich um 1450 in Belgien – dem Kernland des Brieftaubensportes – eine Weltchronik verfasst, die, wie bei einer ordentlichen Weltchronik damals üblich, bei der Erschaffung der Welt, erster Tag, anfing und sich langsam bis in die Gegenwart vorarbeitete. So kam er auch nicht an Noahs Arche und Noahs Taube vorbei. Und weil in dem Kloster zufällig auch ein recht begabter Maler lebte, dessen Namen wir nicht kennen, ließ Aegidius de Roya folgendes Bild in seine Weltchronik hereinmalen:

Der Horizont ist ein wenig schief, die Luft ist voller Vögel – was nicht sein kann, denn die waren ja alle in der Arche – vorne ist auch der doofe Rabe zu sehen, den Noah vor der Taube ausgeschickt hatte. Der Rabe aber, so wird es im arabischen Raum erzählt,  kam krank zurück, weil er zu viel von den Leichen gefressen hatte. Noah war darüber wütend und beschimpfte den Vogel. Als Strafe solle sein Schrei klingen, als erbreche er sich ständig, was jeder bestätigen kann, der schon einmal einen echten Raben gehört hat. (Wer noch nie einen Raben gehört hat, kann das hier nachholen).

Aber zurück zu Taube: Sie ist wieder weiß, symbolweiß sollten wir die Farbe nennen. Weiß, die Farbe der Unschuld. Wie die Taube unschuldig und symbolweiß wurde, kommt in der nächsten Folge.