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Kurt Tucholsky – Schloss Gripsholm

(weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe:)

Vielleicht sollte ich es aufgeben, das Lesen von Romanen oder Erzählungen. Das jedenfalls war wieder kein Treffer. Wollte ich mir erst aufs iPad herunterladen, als mir einfiel, dass irgendwo im Schrank doch noch ein altes rororo-Taschenbuch sein musste. Klang gut: eine heitere Geschichte. Und da ich von Tucholsky nicht viel gelesen habe, hab ich es halt probiert.

Die Erzählung beginnt mit einem Briefwechsel des Autors mit seinem Verleger. Der Verleger regt an, Tucholsky solle doch mal nichts Politisches schreiben, sondern einen lockeren, heiteren Roman. Mit so etwas habe er doch schon mal einen Bestseller gelandet. Der Autor sträubt sich, geht dann doch unlustig an die Arbeit.

Dieser Briefwechsel soll frei erfunden sein, trifft die Sache aber genau. Als Leser hatte ich ständig das Gefühl, Tucholsky wollte krampfhaft locker und lustig schreiben. Seine schwere Depression lag zwar zur Zeit der Abfassung dieser Erzählung 7 Jahre zurück und bis zu seinem Selbstmord sollten noch 6 Jahre vergehen, aber so recht nimmt man ihm das Heitere nicht ab.

Mit der lockeren Liebesgeschichte, die in einer Nacht zu Dritt „gipfelt“, ist ein zweiter Erzählstrang verwoben, nämlich die Befreiung eines Kindes aus den Händen der grausamen Leiterin eines Kinderheims. Verwoben ist im Grunde zu positiv, denn tatsächlich wird nicht so recht klar, was das Schicksal des kleinen Mädchens mit dem Liebespaar zu tun hat, außer, dass ihnen das Mädchen zufällig über den Weg läuft. Die Schilderung des Leidens des Kindes ist ebenso wie die Schilderung der Heimleiterin sehr schablonenhaft geraten, ein einziges gefühlsseliges Klischee, ein kluger Mann hat das mal „sauren Kitsch“ genannt.

„Schloss Gripsholm“ ist auch eine Art Selbstportrait Tucholskys. Wie viele, die man „Erotomanen“ nennt und die man vielleicht besser „sexsüchtig“ nennen sollte, war Tucholsky offenbar unfähig zu einer echten Beziehung, wollte oder konnte sich nicht binden. So lobt er in dieser Erzählung vor allem am Schluss, wie herrlich so eine auf ein paar Wochen angelegte Beziehung doch sei. Und vor allem die Nacht mit den beiden Frauen: Alle nehmen es so locker, als hätten sie eine Runde Skat gespielt. Und dann gehen sie ihrer Wege, auf zur nächsten Paarungskonstellation.

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