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Aber schön war’s doch

Nein, das ist kein plumper Versuch, Kunst zu simulieren, sondern ein ganz realer Ausschnitt aus einem ganz realen Schnappschuss:

So präsentierte sich uns nämlich die Außenwelt, als wir vorgestern auf unserem Wanderparkplatz in der Vulkaneifel angelangt sind. Ja habt ihr denn keinen Wetterbericht gelesen? Doch, ein Schauer war angesagt. Ein Schauer – so was kann uns zünftige Wanderer doch nicht abhalten. Der Schauer aber dauerte von dem Moment, an dem wir uns daheim nach dem Frühstück ins Auto setzten, bis um 5 Uhr nachmittags.

Aber das wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht und so machten wir uns auf den Wanderweg, den man etwas hochtrabend „Traumpfad Seenblick“ genannt hat. Na gut, dachte ich mir, man kann ja heutzutage schon froh sein, wenn ein Wanderweg nicht „Dream-Trail“ heißt.

Ohne Schirm war nicht viel zu machen, die Schuhe weichten langsam aber sicher ebenso durch wie die Wege, die versprochenen Fernblicke musste man unter Einsatz seiner Fantasie herstellen. Andererseits: Kein Mensch unterwegs, kein Geräusch zu hören, denn Bauern und Waldarbeiter hatten ihre Arbeit eingestellt.

Frierend kamen wir dann am gebuchten Zimmer an, orientalischer Stil hatte es geheißen. Nun, da hatte sich ein kreativer Innenraumdesigner ausgetobt, indem er allerhand billigen Oriental-Style-Kram mit einem tiefen Griff in den Farbtopf kombiniert hatte. Aber schön warm und ruhig wars.

Für den nächsten Tag hatte der Wetterbericht 15 Grad und fast wolkenlosen Himmel vorhergesagt. Abends. Weswegen wir den großen Panoramaweg ausgewählt hatten. Morgens hatten die Wetterfrösche die Tageshöchstemperatur auf 12 Grad und die Zahl der Sonnenstunden auf 3,8 reduziert.

Egal, wir nahmen die Panoramaweg in Angriff. Als wir losgingen, kam ein wenig die Sonne heraus, was uns darüber hinweg tröstete, dass das Thermometer nur 3 Grad anzeigte. Wird schon noch werden.

Wurde aber nicht. Die Sonne ging wieder weg, es wurde ziemlich diesig und weder der Westerwald noch der Hunsrück waren am Horizont zu sehen. Viel wärmer wurde es auch nicht, dafür pfiff auf den baumlosen Hochebenen ein kalter Wind. Über deinen Höhen pfeift der Wind so kalt – nicht nur im Westerwald, sondern auch in der Vulkaneifel.

Kein wandernder Mensch zu sehen, nur ein paar Rehe. Der Hügel auf dem Bild, der den schönen Namen „Steinbüchel“ trägt und ein als Wacholderheide besonders geschützter Flecken ist, ist immerhin 500 Meter hoch. Da freut man sich doch, wenn man durch den schützenden Wald latschen kann. So sehr haben wir uns gefreut, dass wir eine Wanderwegmarkierung übersehen haben und tiefer und tiefer in den Wald hinein gegangen sind, bis uns die Sache dann doch komisch vorkam. Kehrtwende, Waldweg wieder zurück, immer aufwärts. Endlich ein paar Schweißtropfen. Und dann, als wir oben auf dem Aussichtspunkt angelangt waren, kamen tatsächlich in der Ferne die „Hohe Acht“ und der Westerwald in den Blick! Jetzt eine kräftige, heiße Linsensuppe! Im Auto warteten zwar nur Käsebrote und Kaffee aus der Thermoskanne, aber schön war’s doch!