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Tuk-Tuk, Tuk-Tuk

tukg4Die kleinen roten Taxis, Tuk-tuk genannt, gehören in Flores wie in jeder Stadt in Guatemala zum Straßenbild, in Flores sind viel mehr Tuk-Tuks unterwegs als normale Autos.

tuk6Auf den ersten Blick eine sinnvolle Sache: Tuk-Tuks sind billig. Zwischen umgerechnet 50 Cent und einem Euro kostet ein Fahrt, und so fährt man mit dem Tuk-Tuk-Taxi in die Shopping-Mall oder auf den Markt und lässt sich dann mit den vollen Einkaufstaschen wieder abholen. Mit dem Fahrrad fahren nur Kinder. Zwei Personen haben auf der Rückbank dieser seltsamen dreirädrigen Gefährte Platz, bei dreien wird es eng. Bequem ist eine solche Fahrt nur, wenn man sie mit einem Fußmarsch vergleicht, denn mit ihren kleinen Rädern und der rudimentären Federung spüren die Insassen jedes Schlagloch. Andererseits kühlt der Fahrtwind angenehm.

Gegner des Individualverkehrs werden sagen: Prima! Sollte man auch in Deutschland einführen!tuk4
Besser nicht, und zwar nicht nur deshalb, weil es im Winter viel zu kalt in so einem Ding ist. Die Sicherheit für Fahrer und Passagiere liegt nur wenig über dem Motorrad-Niveau, aber man braucht nur auf seine Nase zu achten, um zu bemerken, dass diese Dinger ordentlich die Luft verschmutzen.

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In Guatelama sind die meisten Tuk-Tuks aus indischer Produktion, von der Firma Bajaj. In Indien setzt man, um den Smog in den Innenstädten zu bekämpfen, neuerdings Motor-Rikschas mit Erdgas oder Flüssiggas-Antrieb ein. In Guatemala jedoch fahren fast ausschließlich die billigen Zweitakter: 150 Kubikzentimeter Hubraum, etwa 8 PS, nur ein Zylinder. Ist doch nur so ein kleines Motörchen! Aber wie man die Sache auch dreht oder wendet, die Luftverschmutzung durch die malerischen Tuk-Tuks ist enorm, mehrfach so hoch wie bei einem modernen PKW der Mittelklasse.

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Man darf nur nicht nur auf das CO2 blicken, ein Gas, das bekanntlich weder stinkt noch irgendwie giftig ist. Was das Co2 betrifft, so liegt das Tuk-Tuk bei einem Verbrauch von durchschnittlich 9 Litern auf 100 Kilometern fast doppelt so hoch wie ein moderner PKW.

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Der Witz liegt aber woanders. Zweitaktmotoren laufen bekanntlich mit einem Benzin-Öl-Gemisch, das selten optimal verbrennt. Deshalb produzieren diese Motoren jede Menge Methan, Stickoxide und Kohlenmonoxid – eine Gestankwolke, den jeder kennt, der mal in der DDR zusammen mit einigen Trabis an einer Schranke gewartet hat.

In Deutschland sind – was kaum bekannt ist, weil alle nur noch auf das CO2 blicken – solche tuk3Emissionen in den letzten 20 Jahren durch bessere Motorentechnik, Katalysatoren, Grenzwerte und nicht zuletzt die ASU extrem gesunken: Methan um fast 90%, Stickoxide um 60%, Kohlenmonoxid um 85%. In Guatemala aber hat sich da wenig getan. Nicht nur die Tuk-Tuks haben wie selbstverständlich keinen Katalysator, auch Pkws, Lkws und Busse. Wenn ein Katalysator kaputt geht oder nicht mehr richtig arbeitet, dann wird er durch ein Stück Auspuff ersetzt. Fertig.

Wer sich also die Bilder von den schönen malerischen Tuk-Tuks ansieht, sollte sich freuen, dass es noch keine Technik gibt, mit dem Computer Gerüche wiederzugeben!

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