Als Flaschensammler

Neuerdings betätige ich mich als Dosen- und Flaschensammler. So kann ich meine Rente etwas aufbessern.

Nein, im Ernst, in den letzten Tagen und Wochen habe ich eine ganze Menge von Flaschen und Dosen aufsammeln müssen. Weil irgendwelche Menschen ihr Leergut einfach auf den Bürgersteig vor unser Haus stellen. Oder ins benachbarte Feld entsorgen. Auch über unsere Hecke fliegt schon mal die eine oder andere Dose. Für leere Zigarettenpackungen gibt es leider kein Pfand, sollte man unbedingt einführen, dann könnte ich noch öfters mit Leergut zum Kiosk gehen.

Wer wirft das Zeugs nur dahin? Bei Zigarettenschachteln und Zellophanverpackungen gilt das Wegwerfen unter den Rauchern offenbar als so eine Art Gewohnheitsrecht. Die Kippen landen ja auch im Rinnstein. Ebenso Papiertaschentücher: Ach, die verrotten doch schnell, sagen sich vielleicht die Wegwerfenden.

Aber Glasflaschen und Getränkedosen? Sind das die im benachbarten Manheim untergebrachten einwanderungswilligen jungen Männer, die noch nicht so recht mit den Feinheiten des deutschen Entsorgungswesens vertraut sind? Ach nein, ich habe es beobachtet, es sind die, die schon länger hier wohnen: Jugendliche aus dem Dorf, denen man doch schon im Kindergarten die Regeln der Abfallentsorgung beigebracht hat. Wenn ihr ein Bonbon esst, sprach die ökologisch sehr engagierte Leiterin des örtlichen Kindergartens, auf dessen Dach eine Solaranlage angebracht ist, wenn ihr ein Bonbon esst, dann müsst ihr das Papierchen in die graue Tonne werfen. Die Tüte, in der die Bonbons sind, kommt in die gelbe Tonne. Und wenn ihr das Bonbon nicht mögt und wieder ausspuckt, dann kommt das Bonbon in die braune Tonne. Gut, der aufmerksame Leser wird gemerkt haben, dass das Beispiel frei erfunden war, denn natürlich darf man in einem ordentlichen Kindergarten heute überhaupt keine Bonbons mehr essen.

Aber im Prinzip stimmt es. Jugendliche, die ihr ganzes Leben nichts anderes kennengelernt haben als Erzieher und Lehrer und meist auch Eltern, die ihnen ökologisch korrektes Verhalten beibringen wollten, pfeifen auf den ganzen Kram. Fahren mit knatternden und stinkenden frisierten Rollern durchs Dorf und werfen ihren Müll in die Gärten. Auch eine Revolte: Wir scheißen auf eure spießigen Regeln, den ganzen Ökokram und die lächerlichen 10 Cent Pflaschenpfand!

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14 Gedanken zu „Als Flaschensammler

  1. Pit

    Hallo Martin,
    klar, es sind vielfach die Jugendlichen, aber insgesamt ist die Menschheit nicht besser – leider – wenn ich so an den Plastikmuell in den Ozeanen denke, z.B. Oder wenn ich jetzt hier im heissen texanischen Sommer wieder die vielen Motoren auf den Parkplaetzen der Supermaerkte laufen hoere, damit die Klimaanlage arbeitet, obwohl keiner im Wagen sitzt. Ich denke, wir Menschen werde es schon schaffen, diesen Planeten zu ruinieren. Es ist nur eine Frage der Zeit.
    Trotz dieser pessimistischen Gedanken wuensche ich Euch ein schoenes Wochenende,
    Pit

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Im Gegensatz zum Plastikmüll in den Meeren kann ich die Flasche vor der Haustür bequem entsorgen, — aber, vielleicht hast Du recht, so richtig zu bessern scheinen die Menschen sich nicht.
      Einen schönen Sonntag, nichtsdestotrotz,
      Martin

      Antwort
      1. Pit

        Zum Thema „Alles fallen lassen“ hat mir vor vielen Jahren der Leiter des Alexander-Koenig Museums in Bonn [ich hatte seine Tochter in meiner Klasse] einmal gesagt, dass sei der Beweis dafuer, dass der Mensch von ehemaligen Baumbewohnern abstamme: was sie nicht mehr brauchen, lassen Affen einfach fallen, und dann ist es eben entsorgt nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“.

  2. Susanne Haun

    Ich klaube aus meines Vaters Garten auch diversen Müll, Martin.
    Es scheint wohl das berühmte „Gegenskript“ zur elterlichen Erziehung sein!
    Grüße von Susanne

    Antwort
  3. Utasflow

    Vergangenes Wochenende habe ich bei einem nächtlichen Spaziergang 12 leere Bierflaschen von einem Brückengeländer gesammelt, bevor die Flaschen auf dem Fahrradweg oder im Wasser zu Scherben werden. Das Pfandgeld von 94 ct habe ich behalten. Meinen Jugendlichen habe ich Bescheid gesagt, sie behaupten es seien jüngere Kinder, die ihren Müll nicht mit nachhause nehmen und das Pfandgeld verschenken.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Pfandgeld zu verschenken ist offenbar auch so eine Art jugendliches Imponierverhalten. Wegen des schlechten Wetters sind meine Einnahmen an Pfand in den letzten Tagen glücklicherweise auf Null gesunken ….

      Antwort
      1. Utasflow

        Ich habe gerade gestern wieder leere Flaschen an einem Kanu-Grillplatz eingesammelt. Bald kann ich mir etwas Schönes leisten!

  4. Manfred Voita

    Sehen wir es positiv, das ist ein Zeichen von Großzügigkeit, das den Bedürftigen nicht zum Almosenempfänger degradiert, sondern ihm eine aktive Rolle beim Erwerb seines Einkommens zubilligt. Nein, vermutlich ist es doch nur Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Und so eine Art Imponierverhalten. Wie die Jugendlichen sich gegenseitig Handy und Klamotten zeigen und immer darauf hinweise, wie teuer der Kram ist, so zeigen sie ihren „Reichtum“ auch im Wegwerfen von Pfandflaschen – möglicherweise.

      Antwort

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