Archiv der Kategorie: Früher

Zimmerreise XXV zum Buchstaben „Z“: Zelt

Streng genommen keine Zimmerreise, denn das Zelt liegt nicht in einer Zimmerecke herum, nur sein Nachfolger lagert im Keller, den das Zelt nur verlässt, wenn das Enkelkind es im Sommer schon mal im Garten aufbaut.

Das Enkelkind wächst urlaubsmäßig ohne Camping und Zelt auf. Das war bei mir nicht anders. Ich glaube nicht, dass meine Mutter jemals in einem Zelt geschlafen hat, und auch mein Vater hat sicher keine Nacht seines langen Lebens auf einem Campingplatz zugebracht.

Das grüne Familienzelt auf dem Foto wurde 1960 auch nicht angeschafft, um darin zu übernachten. Bei unseren jährlichen Sommerurlauben in Holland wurde es jeden Tag am Strand aufgebaut. Das war praktisch. Man konnte sich darin umziehen, Sachen vor dem Sand schützen und sich nach dem Baden aufwärmen.

Als ich etwa 15 Jahre alt war, ging es zum Regattasegeln nach Holland. Alle schliefen in Zelten, also auch ich in unserem kleinen Familienzelt. Da lernte ich Freu und Leid des Campings kennen. Das Zelt erwies sich als nicht allzu regenbeständig, nach einem richtigen Platschregen war innen alles feucht.

Deswegen wurde eine Plastikfolie angeschafft, die bei Regen einfach über das Zelt geworfen wurde. So schlief ich noch einige Regattanächte in dem Zelt, bald auch als junger Student. So auf meiner ersten (und bislang einzigen) Nordlandreise im Jahr 1974, auf der das obige Foto aufgenommen worden ist. Irgendwo nördlich des Vänernsees auf einem fast leeren Campingplatz. Fast leer, weil alle außer uns wussten, dass es Ende August dort im Grunde zu kalt zum Camping war.

Dann ist das Zelt noch bis nach Dubrovnik gereist und nach Polen ans Frische Haff – aber eine richtige Camping-Begeisterung wollte sich nicht einstellen. Die Freuden des Fast-unter-freiem-Himmel-Schlafens und der Morgenwäsche im Gemeinschaftswaschraum haben sich mir nie erschlossen.

Sobald durch mein Stipendium und dann das Gehalt etwas Geld in der Kasse war, war deshalb Schluss mit Camping. Das blieb so bis 1984, als ich auf die etwas bescheuerte Idee gekommen bin, mit Zelt und Reisetasche (Rucksäcke sind mir bis heute ein Graus) mit dem Bus nach Portugal zu fahren. Das hat mir dann wieder für ein paar Jahre gereicht. Der alte Zelt wanderte auf den Müll.

Das Zelt, das jetzt im Keller liegt, hat die Tochter angeschafft. Ich habe auch mal drin geschlafen, als ich 1995 in den Bergen von Vermont – da ist wenigstens ordentlich Platz auf den Campingplätzen – und 1999 mal wieder zum Regattasegeln unterwegs war. Das war aber nichts, mit zunehmendem Alter steigt offenbar der Hang zu Bequemlichkeit und einem Mindestmaß an Komfort, während die Begeisterung für Lagerfeuerromantik – heutzutage durch Grill-Romantik ersetzt, denn auf welchem Campingplatz darf man ein Feuer machen? – verschwindet.

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Damit enden meine Beitrage zu den „Zimmerreisen“ – zu den Buchstaben „X“ und „Y“ ist mir nichts eingefallen, nur ein langweiliges Xylophon, das im Schrank verstaubt …. ein kleiner Rückblick auf die Zimmerreisen wird folgen.

Zimmerreise XX zum Buchstaben T: Ein stabiler Tisch

Foto: Roswitha Mecke

Da sitze ich in Köln in der Ewaldistraße im Jahr 1981. Vielleicht etwas gequält lächelnd. Naja, den Bart hatte ich mir wachsen lassen, um bei meiner ersten Stelle als Lehrer etwas gesetzter und würdiger auszusehen, was beim Stress des ersten Vollzeit-Lehrer-Jahres auch nicht so viel geholfen hat. Und dazu krabbelte noch ein Baby, das irgendwie weniger Schlaf brauchte als seine Eltern, unterm Tisch herum.

Aber es soll ja um den Tisch gehen. Ein IKEA-Tisch. Damals hatte IKEA vor nicht allzu langer Zeit seinen ersten Laden in Köln aufgemacht. Ich war sehr neugierig auf dieses IKEA, denn die ganzseitigen Anzeigen mit dem witzigen Elch, die IKEA damals in der Süddeutschen Zeitung geschaltet hat (in München war der erste deutsche IKEA-Laden), hatten mich beeindruckt.

Also kauften wir diesen Küchentisch. Massiv Kiefer, unbehandelt. Der sah uns dann zu sehr nach IKEA aus, weshalb er dunkelbraun lasiert wurde.

Der Tisch wanderte dann aus der Wohnung ins erste Haus und irgendwann kam jemand auf die Idee, die Beine etwas abzusägen, damit man bequem auf dem Sofa essen kann.

Dann gefiel die Farbe nicht und er wurde feuerrot angestrichen. Das half dem armen Tisch aber nicht sehr, denn als die Küche zur Wohnküche umgebaut wurde, war er zu groß. Ich baute einen neuen Tisch, der schon dann zu eigentlich zu klein ist, wenn mehr als 2 Personen essen wollen, den wir aber immer noch täglich benutzen.

Im neuen Haus wanderte der rote Tisch in den Keller. Um dann wieder rausgeholt zu werden, als wir zu 4 plus Baby hier gewohnt haben. Heute dient er als – als was eigentlich? – als Universal-Abstelltisch im Arbeitszimmer der Hausherrin …

Jedenfalls: Sage niemand, dass IKEA (zumindest damals) keine langlebigen Möbel produziert. 40 Jahre ist doch schon eine Menge. Und stabil ist er auch noch wie am ersten Tag.

Zimmerreise XVIII zum Buchstaben P: Ein berührendes Photoalbum

Im März 1939 fuhren meine Großeltern nach Genua. Für damalige Verhältnisse eine Traumreise, fast 1700 Kilometer waren mit dem Zug zu bewältigen, auch noch heute braucht man für die Zug-Reise von Marienburg über Danzig, Berlin, Frankfurt, Basel, Mailand ans Mittelmeer mindestens 25 Stunden.

Großvater war damals 68 Jahre alt, er war dabei, sich als Rechtanwalt und Notar zur Ruhe zu setzen. Es wurde, erzählt man, ihm alles zu viel. Der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der Nationalsozialisten machte ihm, der fast sein ganzes Leben lang als Kommunalpolitiker für die katholische Zentrumspartei oder die Deutschnationalen gearbeitet hatte, große Sorgen. Für die Zukunft habe er schwarz gesehen. Da kam so eine Auszeit am frühlingshaften Mittelmeer gerade recht.

Ein kleines Album mit Reisefotos hat sich erhalten, nicht viele Fotos kleben drin, insgesamt 15 Bilder, Bilder, für die man offenbar irgendjemand die Kamera in die Hand gedrückt hatte:

Die beiden letzten Bilder dann schockieren: Leichenwagen, der Priester wartet, Großvater war in Genua an plötzlichem Herzversagen gestorben, das letzte Bild zeigt sein mit Kränzen überhäuftes Grab in seinem Geburtsort Tolkemit.