Archiv der Kategorie: Früher

Die Geschirrspülmaschine hing an der Wand …

Ja, so war es: Die Geschirrspülmasche hing an der Wand. Und so ungefähr in der Höhe meines Kopfes befand sich eine Glasscheibe, hinter welcher Teller und Tassen mit großem Wassergewirbel gereinigt wurden.

Das gibt es nicht? Aber ich habe es doch selbst gesehen, 1962. 11 Jahre war ich damals alt und wir waren zu Besuch bei Tante Hilde und Onkel Fritz, die zwar nur Tante und Onkel um die Ecke waren, was hier aber nichts zur Sache tut. Die Sensation des Besuchnachmittags war Tante Hildes Geschirrspülmaschine. Für uns alle war das Gerät an der Wand die erste Geschirrspülmaschine, die wir je gesehen hatten. Und natürlich wurde auf der Rückfahrt eifrig diskutiert, ob wir denn auch so ein Ding bräuchten. Wurde abgelehnt, da in unserer Mini-Küche – eine umgebaute Speisekammer – kein Platz war. Wobei es übrigens geblieben ist, bis zum Verkauf meines Elternhauses 1995 wurde mit der Hand gespült.

1962 – das ist lange her und allmählich habe ich mich gefragt, ob es diese an der Wand hängende Spülmaschine überhaupt gegeben hat oder ob sich da bei mir nicht doch Fantasie und Realität vermischt haben.

Gestern fiel mir beim Sortieren alter Fotos ein Bild von Tante Hilde und ihrem nach Argentinien ausgewanderten Bruder in die Hand. Und die Spülmaschine ging mir wieder durch den Kopf.

Also habe ich das Internet durchsucht. Das Internet weiß doch alles. War nicht einfach, wenn man nur das ungefähre Baujahr und die Wandaufhängung als Merkmal hat. Am Ende bin ich über amerikanische Websites auf die Spur gekommen. Es war ein Gerät von der Firma Braun. Ja, Braun hat tatsächlich für kurze Zeit Spülmaschinen gefertigt, „made in Germany“, aber nach amerikanischer Lizenz. Und dann habe ich in einem Forum für Fans der Marke „Braun“ tatsächlich ein Bild gefunden: Braun HGS 20 hat das Ding geheißen:

Spielende Kinder

Ein alter Sandkastenfreund schreibt an seinen Kindheitserinnerungen. Deshalb habe ich mal mein „Fotoarchiv“ durchforstet. Hier zwei Bilder vom Spielen im Braunkohledorf. Ende der 50er Jahre. Fußball spielende Kinder auf dem noch unbebauten Nachbargrundstück von meinem Elternhaus und beste Freunde in Vaters Kohlbeet im Garten. Kinder gibt es da immer noch, aber sie sind deutlich schicker angezogen. Kohl baut niemand mehr an und irgendwelche Freiflächen zum Fußballspielen gibt es in dem Dorf auch nicht mehr.

Mit Goethe nach Weimar (Zimmerreise VII)

Lag in einer Kiste am Strassenrand: Ein ovales Porzellan-Dings mit dem bekannten Goethe-Portrait, das Joseph Karl Stieler 1828 für den bayrischen König gemalt hat. Handgemalt? Konnte ich ohne Brille nicht sehen. Aber auf der Rückseite ein Firmenlogo: Thüringer Handarbeit.

Brille und Internet brachten es bald an den Tag: Nur ein billiges Medaillon von einer Firma, die sich etwas hochtrabend Porzellan-Manufaktur nennt und in Martinroda Geschenkartikel produziert – oder auch nicht mehr, denn die Website ist zuletzt 2007 aktualisiert worden.
Martinroda, Martinroda, ….., nie gehört, aber Google Maps weiß Bescheid, wie immer. Martinroda liegt in einem Teil Thüringens, in dem ich noch nie gewesen bin. Von Thüringen kenne ich eigentlich nur das, was man von der A4 aus sieht. Gas geben, weiter.

Oder liegt Weimar, die Stadt des großen Goethe, etwa auch in Thüringen? Wieder Google Maps fragen: Ja! Also, wie mein Vater zu sagen pflegte: Kommando zurück, ich war schon mal in Thüringen, nämlich in Weimar und bin durch das Haus geschlichen, in dem der Herr Goethe gewohnt hat.

Eine denkwürdige Reise, 1974 mit Schwester, Schwager und Mutter, auf Besuch bei ewig nicht gesehenen Bekannten, die ich nicht nur ewig nicht mehr, sondern überhaupt noch nie gesehen hatte. Zum ersten Mal in der DDR. Hui, war das ein Kontrast zu dem ja nun auch nicht so arg eleganten Köln. Wegen Zwangsumtausch oder so hatten wir Geld übrig und wollten in Weimar essen gehen. Restaurant mitten im Zentrum am Platze. Hinter dem Eingang eine Garderobe mit Garderobiere! Ober in Schwarz mit weißer Serviette, wie man das in alten Filmen sehen kann! Nehmen Sie bitte hier Platz! Danke, nichts zu danken … Die Speisekarte war gar nicht so kurz, aber warum war sie mit so einer Maschine gedruckt, mit der man früher die Texte für die Klassenarbeiten vervielfältigt hat?

Wir wählten lange und überlegten hin und her, besonders der Schwager, der als alter Kölner immer recht pingelig war, wenn es ums Essen ging. Dann die Bestellung – DDR-Kenner wissen, was jetzt kommt, nämlich der Satz: „Ist aus!“ DDR-Kenner wissen auch, was dann auf den Tisch kam, nämlich Salzkartoffeln, die mich lebhaft an die Salzkartoffeln erinnerten, die es in der Uni-Mensa gab, in der ich damals zu speisen pflegte.

Aber zurück von Goethe-Stadt in mein Arbeitszimmer. Der gemalte Goethe ist nichts wert, der gemalte Goethe passt zu den anderen Sachen, die an der Wand hängen, wie Goethe zu Heinrich Heine. Was tun mit dem Ding? Ein Germanist, der seine Schüler immer mit viel Goethe – bitte ankreuzen: erfreut / gequält / gebildet hat, wirft einen Goethe nicht auf den Müll, zumal er schon seine vielbändige Goethe Gesamtausgabe verscherbelt hat, die Berliner Ausgabe, die zu DDR-Zeiten in, wer hätte es gedacht, Berlin und Weimar erschienen ist.

Nein, er wirft das Ding nicht weg, er verwendet es als Schmierpapier-Beschwerer. Neben den Drucker lege ich nämlich Probeausdrucke und / oder Fehldrucke, die ich als unverbesserlicher Sparefroh nicht dem Papierkorb übergebe, sondern mit der Papierschneidemaschine halbiere und als Notizpapier benutze. Da hat er seine Ruh, der alte Goethe, und macht sich auch noch nützlich.