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Don’t think twice it’s all right

Beim Aufräumen habe ich in dem großen Stapel mit alten Noten – was sich da alles angesammelt hat, meist uralte Noten vom Schwiegergroßvater oder Operetten-Noten, die mir noch aus der Kindheit bekannt vorkommen … wird niemals jemand spielen, aber man wirft doch keine Noten weg – ein kleines Notenbüchlein gefunden, keine Ahnung, wie das in den Stapel geraten ist: „Songs aus Amerika“.

Und weil ich mit meinem Klavieralbum momentan nicht so recht weiter komme (um ehrlich so sein: Wenn ich in dem Tempo weiter mache, brauche ich einer aktuellen Hochrechnung zufolge noch 37 Jahre), habe ich mir gedacht: Probier doch mal was anderes.

Gitarrennoten, na ja, da muss man halt die Akkorde irgendwie dazupfrimeln. Klappt bei einigen Spirituals ganz gut. Dann bin ich auf dieses Lied gestoßen:

Ach ja, ein Klassiker von Bob Dylan:

„…doch lass es sein,
denk nicht mehr nach“

Oder so ähnlich. Ein Klassiker, sagt man heute. In den 60ern oder 70ern aber nur eingefleischten Fans bekannt. Mir jedenfalls nicht. Das weiß ich so genau, weil mir 1977 ein alter Schulfreund sein Banjo geschenkt hat – als Belohnung, weil ich ihm bei der Examensarbeit geholfen hatte. Ein Banjo, eine von ihm mit der Hand geschriebene Grifftabelle und drei oder vier Lieder, die Akkorde hatte er auch mit der Hand drüber geschrieben.

Zwei Lieder waren von Lonnie Donegan, Gassenhauer im Grunde, mir aber völlig unbekannt. Dann „Oh Susanna“ – na ja – und eben „Don’t think twice it’s all right“ von Bob Dylan. Nie gehört, aber die Akkorde waren einfach zu greifen bis auf dieses C6 am Ende – was mochte das nur sein? Kam in meiner Grifftabelle nicht vor und ich hatte ja nur ein wenig Klavier gelernt, konnte nicht Gitarre spielen und hatte in der Schule Musik abgewählt. Internet gab es noch nicht.

Die Melodie erarbeitete ich mir mühsam Note für Note, ich besaß ja die Platte nicht und noch ahnte niemand, dass es mal Youtube geben sollte.  Dann ging es los: Schrumm, schrumm, schrumm-schrumm und so weiter. Klang ziemlich fürchterlich, da ich mangels Gitarrenkenntnissen und Anleitung auch keinerlei Spieltechniken kannte – außer eben Schrumm-Schrumm.

Und der Text! Was mochte das nur bedeuten. Meine Englisch-Kenntnisse waren damals wirklich unglaublich schlecht. Vier Jahre Schulenglisch, am Ende stand ein „ausreichend“ auf dem Zeugnis. War aber nicht ausreichend, um auch nur einfache Texte zu verstehen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mir das „Weiße Album“ der Beatles gekauft hatte. Die Texte lagen bei. Ach, hätten die Beatles nur lateinisch gesungen, das wäre kein Problem gewesen. Ich habe Nachmittage damit verbracht, mit Hilfe eines Lexikons die Texte zu übersetzen – ohne viel Erfolg,

Das mit dem Banjo habe ich bald wieder aufgegeben. Das gute Stück wanderte in den Keller, was es gar nicht mochte. Die Feuchtigkeit hat es ruiniert: „…doch lass es sein, denk nicht mehr nach … “

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Telefonzeiten

Das waren noch Zeiten, als so ein Telefon neben meinem Bett stand. Hat mich immer geärgert, das dumme Ding, das öfters klingelte, aber nie für mich, denn in meiner Klasse im Gymnasium hatte außer uns nur einer Telefon, der Sohn des evangelischen Pfarrers. In meinem Zimmer stand das Telefon, weil dort vorher das Elternschlafzimmer gewesen ist und weil es damals gar nicht so einfach war, den Telefonanschluss verlegen zu lassen oder gar einen zweiten Anschluss legen zu lassen.

Wenn das Telefon mal wieder klingelte, so habe ich heute noch gut im Ohr, sprach meine Mutter oft genug empört. „Wer ruft denn zu dieser Zeit an!“

Für sie gab es nämlich Zeiten, in denen man anrufen durfte, und Zeiten, in denen sich ein Anruf nicht gehörte. Vor 9 Uhr morgens durfte man nicht anrufen. Man weiß ja nicht, wie lange der Angerufene schläft und beim Frühstück stört man auch nicht.

Von 9 bis 11 dauerte das Vormittags-Zeitfenster. Ab 11 nämlich könnte man beim Kochen stören, danach beim Mittagessen. Die Zeit danach kam selbstverständlich überhaupt nicht in Frage, denn schließlich hat jeder das Recht auf eine ruhige Mittagspause. Bis etwa um 15 Uhr, mindestens.
Das Zeitfenster nachmittags schloss sich um 18 Uhr, denn weder bei den Vorbereitungen zum Abendessen noch beim Abendessen darf man stören. Die Zeit der Nachrichten im Radio („Zwischen Rhein und Weser“ von 19 – 20 Uhr) oder dann im Fernsehen war auch tabu. Im Grunde der ganze Rest des Tages. Nur in dringenden Fällen durfte man nach 20 Uhr anrufen, denn woher wollte man wissen, ob der Anzurufende nicht in ein Buch vertieft war, in einen Film oder sich mit einem Gläschen Rotwein den Feierabend vergnügte?

Heute müsste man auch WhatsApp-Zeiten festlegen ….

Farbe > schwarzweiß > bunt

Jetzt habe ich das Programm, mit dem man alte SW-Bilder automatisch kolorieren kann, noch mal getestet. Das erste Beispiel war zugegebenermaßen etwas gemein. Denn woher sollte das Programm wissen, welche Farbe der funkelnagelneue VW meines Vaters 1966 hatte?

Das Programm probiert es mit Rot, man hat aber den Eindruck, dass es seiner gewagten Entscheidung selbst nicht traut und deshalb ein seltsam dahingehuschtes Rot wählt:

Die nächste Aufgabe war einfacher: 1963/64 im Sommerurlaub in Holland. Ich steuere das neu angeschaffte Segel-Faltboot, mein Vater (damals ein paar Jahre jünger, als ich heute bin ….) spielte den Vorschotmann. Ein einmaliges Ereignis. Ich kann mich nicht erinnern, dass er sich nochmals in ein kleines Segelboot gesetzt hat.

Da sind die Farben schon besser, nur das gelbrötliche Abendlicht wurde durch normales Tageslicht ersetzt und aus dem blauen Stoffdeck wurde eine seltsam rötliche Angelegenheit. Aber woher soll das Programm auch wissen, dass es sich nicht um ein Holzboot handelt?